ERP-Projekte scheitern selten an der Software, sondern an der Vorbereitung. Diese fünf Fehler begegnen uns in der Praxis immer wieder — zusammen mit den erprobten Gegenmitteln.
Von Andreas Trnka
Nach drei Jahrzehnten Beratungspraxis in ERP-Projekten sieht man Muster. Manche Fehler sind so häufig, dass sie fast gesetzmäßig wirken. Die gute Nachricht: Sie sind alle vermeidbar — wenn man früh genug gegensteuert.
Der häufigste Fehler: Unternehmen gehen mit einem vagen Anforderungsbild in die Marktansprache. Die Folge ist, dass jeder Anbieter seine Stärken in den Vordergrund stellt — und Lücken erst nach der Vergabe sichtbar werden.
Das Gegenmittel: Erstellen Sie ein strukturiertes Lastenheft, bevor Sie den ersten Anbieter einladen. Trennen Sie dabei klar zwischen Muss- und Kann-Anforderungen. Unser BSS (Business Selection System) unterstützt genau diesen Prozess — methodisch, reproduzierbar und unabhängig.
Präsentationen sind auf Wirkung optimiert. Der Anbieter zeigt das, was gut aussieht — nicht das, was Sie wirklich brauchen. Viele Entscheidungen werden auf Basis von 3-Stunden-Demos getroffen, bei denen die eigenen Kernanforderungen kaum getestet wurden.
Das Gegenmittel: Stellen Sie konkrete Testszenarios bereit, die aus Ihrer Praxis kommen. Jeder Anbieter muss dieselben Szenarien vorführen. Nur so ist ein fairer Vergleich möglich.
Wenn ERP-Auswahl als IT-Projekt geführt wird, fehlt oft die betriebswirtschaftliche Perspektive. Systeme werden nach technischen Kriterien bewertet — nicht nach ihrem Nutzen für Vertrieb, Einkauf oder Produktion.
Das Gegenmittel: Etablieren Sie von Anfang an ein gemeinsames Steuerungsgremium aus IT, Fachbereichen und Geschäftsführung. Jede Entscheidung muss aus Sicht des Geschäftsbetriebs begründbar sein.
“Wir nehmen einfach die Altdaten mit” — dieser Satz kostet in der Praxis Monate. Datenmigration in ERP-Projekte ist komplex, fehleranfällig und erfordert Bereinigung, die man vorher nicht sieht.
Das Gegenmittel: Planen Sie die Datenmigration als eigenständiges Teilprojekt mit ausreichend Puffer. Führen Sie frühzeitig Probe-Migrationen durch — nicht erst vor Go-Live.
Der produktive Start ist kein Endpunkt — er ist der Beginn einer kritischen Phase. In den ersten Wochen entstehen die meisten Supportfälle, Prozessfragen und Akzeptanzprobleme.
Das Gegenmittel: Planen Sie eine definierte Hypercare-Phase (mindestens 4–6 Wochen) mit besetztem First-Level-Support und täglichen Kurz-Reviews. Unser BOS-Mentoring begleitet genau diese Phase.
Erkennen Sie sich in einem dieser Muster? In einem kurzen Gespräch können wir gemeinsam einschätzen, wie Sie Ihr ERP-Projekt absichern können.
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