Ausgangslage
Der Chemie-Mittelständler führte ein neues ERP ein. Implementierungspartner war ein etabliertes Beratungshaus, das Projekt lief seit 12 Monaten. Drei Monate vor Go-Live sah es auf dem Papier gut aus — aber Vorstand und interne Projektleitung hatten ein ungutes Gefühl. Eskalations-Tickets häuften sich, Akzeptanztests wurden verschoben, die Datenmigration zeigte erste Risse.
Vorgehen
Als BOS-Mentor kamen wir mit klarem Auftrag: keine Implementierungsleistung, sondern unabhängige Bewertung der Projektgesundheit. Konkret:
- Risiko-Audit über drei Wochen: Interviews mit Schlüsselpersonen, Sichtung der Projektdokumentation, Analyse der offenen Tickets
- Sparring für die interne Projektleitung in den wöchentlichen Steuerungsgremien
- Eskalations-Beratung für den Vorstand bei kritischen Entscheidungen (z.B. „Go-Live trotz offener Punkte?”)
- Go-Live-Drehbuch mit klaren Abbruch-Kriterien und Rollback-Strategie
Die Empfehlung nach drei Wochen: Go-Live um sechs Wochen verschieben. Begründung: Drei kritische Akzeptanztests waren noch nicht erfolgreich, die Datenmigration zeigte Inkonsistenzen, und das Key-User-Training hinkte hinter dem Plan.
Ergebnis
Der Vorstand folgte der Empfehlung. Die sechs Wochen wurden genutzt, um die kritischen Punkte zu schließen. Der tatsächliche Go-Live verlief ohne Rollback, ohne kritische Eskalationen, mit hoher User-Akzeptanz. Das Mentoring-Engagement endete mit einer abschließenden Lessons-Learned-Session.